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                                           'Gedicht des Monats' 

 

(aktuell ein Dreiteiler, der im April 2018 den 9. Preis des Berliner Wettbewerbs gewann)

 

Istanbul I - III

 

I

 

die magischen schönheitsstapfen

die ich betrete

 

straßen räkeln sich lose

ein funkelgeschmeide

aus orientalischem und pulsierendem wissen geschöpft

 

leise winden sich wärmeschwaden

unter der sommersonne

nach irgendwo

 

händler kaufen sich laut und

mit fliegenden rufhänden

aus armut frei

 

eine taglänge eine woche

manchmal nur

für einen kurzen

flügelgedanken

 

ein kleines

glück.

 

II

 

bazar

 

aus der raschellust der bazare heben sich

zaubrigkeiten - düfte und tageslockung

bis die sinne dampfen

 

polizeihände wecken

mit kontrollgriffen aus dem schlaf

greifen nach kopftuchmüttern

mit überladenem tütengepäck

 

wachmänner

durchforsten gemüseteile

ihr sich verdunkelndes auge

berufsauge

die langwaffen

ziehbereit an der seite

lasten tragen sie

die andere zu heben befahlen

ihr kopf- und herzgehorsam

 

wie lange?

 

 

III

 

die großkirchen

 

 

mächtig der atem

alter großkirchen

ihr zeitloser schein

 

sie anblicken - ihr archaischer klang

 

Hagía Sofía - ahnherrin christlicher frühe

und der rundkuppel

höhenverbunden

in den tag schauend

eine königin in sich weitendem raum

das gewölbe goldet - uraltes sonnenwissen

und gleichnisse schwindender chiffren

freskenlegenden

manche noch immer

in übermaltes schweigen vertieft

 

schwesterlich hält sie die hand der moschee

Sultan Ahmeds - die mit blau-floralem

das ewige ziert

 

als würden sie künftig

wie schwesterbrüder

sich heran entwickeln

an des anderen

traum

 

über verengte horizonte

den sternweg wagen in

friedlich sich weitende religion.

 

 

Angelika Zöllner

 

 

 

 

 

 


 
 
       
 
 
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